Anmerkungen zum heutigen Zustand der Orgel

Die Restauration 1962-1965 erfolgte nach Prinzipien, wie sie zwischen 1950 und 1970 bei einer ganzen Reihe von historischen Orgeln in Westfalen angewendet worden sind. In Bezug auf die Erhaltung von historischer Substanz ist man etwas großzügiger gewesen, als man das heute tun würde. Streng genommen handelt es sich aus heutiger Sicht eher um eine neue Orgel, in der eine Reihe alter Pfeifen verwendet worden sind.
Der Einfluß der Orgelbewegung ist nicht zu leugnen. Unverkennbare Merkmale des Orgelbauers Paul Ott sind mit in diese Orgel eingeflossen: Niedriger Winddruck und relativ enge Mensuren, vor allem bei den Prinzipalen. Zu Bedauern sind aus heutiger Sicht die gravierenden Veränderungen an den historischen Pfeifen. Die Intonation orientiert sich ebenfalls an der Ästhetik der Orgelbewegung.

Trotz aller Kritik an der damaligen Restaurierungspraxis kann jedoch festgestellt werden, dass die Orgel insgesamt musikalisch schlüssig und in guter Technik ausgeführt worden ist. Daher erfreut sich das Instrument nach wie vor einer großen Beliebtheit bei Organisten und Zuhörern. Neben dem Einsatz im Gottesdienst wird sie in vielen gut besuchten Konzerten gern gespielt und gehört.

Die Orgel ist mit ihren 24 Registern für den kleinen Kirchenraum relativ groß ausgelegt und ermöglicht eine Vielzahl gut klingender farbiger Registrierungen. Das Plenum klingt mit dem Bordun 16' (klanglich eher eine Quintade 16') und der Quinte 6' (= 5 1/3') sehr gravitätisch und erhält durch die Mixturen einen hellen Glanz.

Der besonders schöne Prospekt (Schauseite der Orgel) bildet den rückwärtigen Abschluß der einheitlichen Gesamtausstattung in der Kirche. Am äußeren Aufbau ist die Aufteilung in Hauptwerk und Unterwerk leicht zu erkennen. Die Pfeifenfelder sind in Spitz- und Rundtürme aufgeteilt. Die Quergliederung erfolgt - wie bei der übrigen Kirchenausstattung - durch rot marmorierte Gesimse. Bemerkenswert sind darüber hinaus die zahlreichen Puttenköpfe und der prächtige untere Abschluß mit vergoldetem Akanthuslaub. Hoch oben auf der Orgel thront König David mit Zepter und Harfe, der nach biblischer Überlieferung als Dichter einen Großteil der alttestamentlichen Psalmen schuf. Das neue Pedalwerk ist hinter der Orgel aufgestellt, und vom Kirchenraum aus nicht sichtbar. Diese rückwärtige Aufstellung eines Pedalwerkes ist im westfälischen Orgelbau nicht unüblich.

Sanierung 2014

Am 22. April 2014 beginnen die Arbeiten zur Sanierung des Kircheninnenraums. Parallel dazu laufen die Vorbereitungen für die Überholung der Orgel. Diese ist aus folgenden Gründen dringend notwendig:

- Bei den historischen Pfeifen ist Bleikorrosion ("Bleifraß") festgestellt worden, die vermutlich durch Säureeinwirkung entstanden ist. Dies hat zur Folge, dass das historische Pfeifenmaterial an den Pfeifenfüßen nach und nach zu weißem Staub zerfällt und unwiederbringlich verloren geht! Dieser Zersetzungsprozess entwickelt sich von den Innenseiten nach außen und kann sich nach Erkenntnissen von Experten sehr schnell weiter entwickeln. Neben der Reparatur der bereits entstandenen Schäden wird versucht, die Ursachen für die Bleikorrosion zu finden und zu beseitigen.
- Das Leder an den Windladenbälgen wird allmählich porös, so dass die Gefahr besteht, dass Löcher oder größere Risse entstehen.
- Die Belederungen an den Tonventilen sind mit einem Material aus Kunststoff unterfüttert, das allmählich brüchig wird. Falls Teile davon herausbrechen, führt das zu "Heulern" d. h. Dauertönen, die nicht abgestellt werden können.
- Die Orgel ist mittlerweile stark mit Ruß und Staub verschmutzt. Die letzte Ausreinigung erfolgte vor mehr als 25 Jahren Normalerweise werden Orgeln in Abständen von 15 bis 20 Jahren gereinigt.

Mit den Arbeiten ist die Firma Johannes Klais Orgelbau aus Bonn beauftragt worden. Die Fertigstellung der Zwillbrocker Orgel ist für das Frühjahr 2015 geplant.

Freundeskreis

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Kontakt

Kirchenmusiker

Karl-Heinz Orriens
Tel: 02564 34818
Mail: orriens [at] t-online.de