Die Altäre

Der Hochaltar erscheint dem Besucher zunächst wie ein gewaltiger Bühnenprospekt. Statuen, Engelsfiguren und die auf den Gemälden dargestellten Personen sind alle in Bewegung, wie es für die barocke Kunst typisch ist. Die gesamte Ausstattung der Kirche ist in Eichenholz gefertigt, welches in barocker Art farbig gefaßt ist. Die vertikalen Teile der Austattung sind blau, die horizontalen rot marmoriert. Die Figuren und Ornamente sind in Polimentweiß gefaßt und mit echtem Blattgold versehen.


Gekrönt wird der Hauptaltar von einem heute nicht mehr funktionierenden Uhrwerk. In ihrer freien Hand tragen die Engel zu beiden Seiten der Uhr jeweils einen Gegenstand, der hierzu in Bezug steht: der Engel auf der linken Seite eine goldene Kugel als Symbol der Erde, der Engel auf der rechten Seite eine Sanduhr. Diese Symbole weisen unmissverständlich auf die Vergänglichkeit des irdischen Lebens hin.


Doch so hoffnungslos und ohne Perspektive ist die menschliche Existenz nicht. Die großen in Polimentweiß gehaltenen Engel, weisen mit ihren Gesten auf das Bild in der oberen Mitte des Hochaltars hin, das die Verkündigung der Geburt Jesu an Maria durch den Engel Gabriel zum Inhalt hat, womit die Menschwerdung Christi und damit die Erlösung der Menschen durch Gott ihren Anfang nahm. Es handelt sich bei diesem Gemälde um eine seitenverkehrte Kopie von Rubens "Mariä Verkündigung", die sich heute im Kunsthistorischen Museum in Wien befindet. Wegen der Seitenverkehrtheit darf man annehmen, daß das Bild, wie es zu jener Zeit üblich war, nach einem Kupferstich des Rubens-Bildes von einem unbekannten Künstler angefertigt wurde.


Unter der Verkündigungsszene findet der Betrachter im Wechsel des Kirchenjahres zwei große unterschiedliche Bilder in goldenem Rahmen. Zur Weihnachtszeit erscheint hier die Darstellung, wie die Hirten den neugeborenen Heiland der Welt, der in Windeln in der Krippe liegt, anbeten. Das, was im oberen Bild der Engel ankündigte, ist Wirklichkeit geworden: das Heil der Welt ist Mensch geworden. Am Ende der Weihnachtszeit wird dieses Gemälde hinter die "Kulissen" geschoben, und an dessen Stelle tritt die Darstellung des Gekreuzigten mit Maria und Johannes unter dem Kreuz. Diese im Stil des Barock etwas theatralisch anmutende Vorkehrung zum Auswechseln der Bilder deutet zugleich symbolhaft auf das alles beherrschende Motiv hin: "Von der Krippe bis zum Kreuz" oder "Von Bethlehem bis Golgotha".


Das Thema der Kreuzigung, des Opfertodes Christi, nehmen auch die Darstellungen auf dem Drehtabernakel auf. Sozusagen auf dem Dach des Tabernakels sitzt ein Pelikan auf dem Nest, der seine Brust geöffnet hat, um seine Jungen mit dem eigenen Blut zu ernähren, eine beliebte symbolische Darstellung des Erlösers, der sein Leben bis zum letzten Blutstropfen für uns Menschen geopfert hat. Rings um den Tabernakel befinden sich vier versilberte Engelsfiguren, die die Marterwerkzeuge tragen. Unterhalb der Dachfläche des Tabernakels erkennt der Betrachter das "Schweißtuch der Veronika", einen in ein goldfarbenes Tuch gefaßten und in Silber ausgeführten Christuskopf. Die Darstellung der Heilsgeschichte gipfelt gleichsam im Tabernakel, wo in der Brotsgestalt der wahrhaft auferstandene und real existierende Christus gegenwärtig ist. In der Vordernische des dreiteiligen Drehtabernakels wird das Thema des Kreuzigungsbildes in einer figürlichen Darstellung nochmals aufgegriffen. In der zweiten Nische des Tabernakels werden die Speisekelche aufbewahrt sowie in der dritten und am prächtigsten ausgestatteten Nische das Allerheiligste ausgesetzt.


Ist so in der Vertikalen Gottes Heilswirken von der Verkündigung durch den Engel bis zum Tod auf Golgotha dargestellt, bedarf es der Verkündigung dieser Heilstaten unter den Menschen, bei der sich die Heiligen ausgezeichnet haben, was nun in der Horizontalen dargestellt wird. Rechts und links von den beiden Gemälden stehen zwei Heiligenfiguren. Wen wundert es, daß der Künstler - wohl im Auftrag des Klosters - aus der großen Schar der Heiligen exemplarisch die beiden bedeutendsten Heiligen des Franziskanerordens ausgewählt hat, den Ordensgründer Franz von Assisi und den ersten Generaloberen des Franziskanerordens, Kardinal Bonaventura. Franz von Assisi trägt als seine Symbole das Passionskreuz und unter dem rechten Fuß den "Reichsapfel" , was die Absage an Macht und Herrschaft symbolisiert. Der heilige Bonaventura wird durch das offene Buch - die Bibel - in seiner linken Hand als Kirchenlehrer ausgewiesen. Der Stab mit dem Patriarchenkreuz und der Kardinalshut neben dem rechten Fuß weisen auf seine hohe kirchliche Würde hin. Beide Heilige verkörpern unterschiedliche Charaktere, hier der der Welt mit ihrer Pracht Entsagende, dort der kraftvolle Organisator des Ordens.


Die oben erwähnte horizontale Linie wird in den Seitenaltären weiter geführt. Sie sind sind Maria, der Mutter des Herrn, und dem heiligen Antonius von Padua gewidmet.

Im Zentrum des Marienaltares, steht die weißpolimentierte Statue der Maria Immaculata. Die Darstellung zeigt hier den "apokalyptischen Typ", die sich an den Vers der Geheimen Offenbarung des Johannes (12,1) anlehnt: "Ein großes Zeichen erschien am Himmel: eine Frau mit der Sonne umkleidet, der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen". Diese Darstellung war im 18. Jahrhundert recht beliebt, zumal die Kirche in dieser Frau eine prophetische Aussage auf Maria hin sieht.

Die Figur des hl. Antonius von Padua auf dem rechten Seitenaltar ist ohne ihre Attribute überliefert. Üblicherweise wird er dargestellt, wie er in der einen Hand eine Lilie hält und auf dem anderen Arm das Jesuskind trägt. Vermutlich hielt der Heilige in der linken Hand ursprünglich eine Lilie, wie aus der Handhaltung zu erkennen ist. In der rechten Hand trägt er den Jesusknaben. Die originale Jesusfigur ist verschollen, die jetzige ist eine Nachbildung aus den letzten Jahren. Antonius von Padua, einer der großen Heiligen des Franziskanerordens, war während der Barockzeit einer der populärsten und am meisten verehrten Heiligen der Kirche.


Alle drei Altäre bilden eine Einheit, wie die Symbole der Dreifaltigkeit ausweisen. Ist der Hauptaltar ganz auf Christus ausgerichtet, findet sich auf dem linken Seitenaltar über der Marienstatue die Gestalt der Taube, als Symbol des Heiligen Geistes, und auf dem rechten Seitenaltar das Auge Gottes, das Symbol für Gott Vater. Das Thema der Seitenaltäre wird gleichsam von den beiden Nischen mit den kleinen Figuren weitergeführt. Auf der linken Seite der Kirche findet sich in einer Nische eine gotische Marienfigur in barocker Fassung. Vermutlich ist sie von den Patres in den Niederlanden erworben worden und eventuell ein Opfer des Bildersturms. Auf der rechten Seite der Kirche in einer gleichgestalteten Nische befindet sich die Statue des hl. Johannes Nepomuk, des Märtyrers des Beichtgeheimnisses, der als Brückenheiliger vielerorts verehrt wird.

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